Kleine Warenkunde

Wenn wir es realistisch betrachten sind 95% aller Brautkleider unter 2.000,- aus 100% Polyester. Das heißt aus Kunstfaser.

 

Wer ein Kleid aus Baumwolle ergattern will, muss bei den kleinen, teuren Vintage Kollektionen suchen. Wer Seide sucht, wird bei den teuren Marken über 2.000,- vielleicht, aber nur vielleicht fündig.

 

Aber das wollen wir natürlich nicht hören.

In meiner Zeit als Brautkleid Verkäuferin wurde ich öfter darauf angesprochen. Wissen wollte das in der Regel nur die Mutter oder Schwiegermutter; die Braut interessiert sich wärend der Anprobe fast ausschließlich nur für die Optik.

Die Frage war meist: "Ist das jetzt Seide?"

und meine Antwort: "Nein, das ist Satin."

 

Eine klassische Verkäuferantwort :D nicht gelogen, aber eine Antwort die die Frage nicht beantwortet.

 

"Ist das Holz?"

"Nein, das ist ein Tisch."

 

Die Basics

Rohstoff und Stofftyp

Eine Unterscheidung an der die Meisten scheitern. Sogar die nähbegabten Mamis sind da leicht durcheinander zu bringen.

 

Mein Lieblingsbeispiel sind die Möbel, da kann sich jeder leicht etwas vorstellen.

Es gibt unterschiedliche Rohstoffe: Holz, Glas, Metall

und es gibt unterschiedliche Möbeltypen: Tisch, Sessel, Bank

 

Es gibt Holztische, Glastische und Metalltische.

So ist es auch bei den Stoffen, es gibt Polyestersatin, Seidensatin, Baumwollsatin etc.

Ihr merkt schon, ein Stoff hat immer einen Rohstoff und einen Stofftyp aus dem es gemacht ist, erst beide zusammen charakterisieren einen Stoff.

Rohstoffe

Aus diesen Materialien sind Brautkleider heutzutage hergestellt:

Polyester: eine Kunstfaster synthetischen Ursprungs, knittert wenig, nicht atmungsaktiv, man schwitzt viel

Seide: Naturmaterial tierischen Ursprungs, nicht für Veganer! knittert viel, atmungsaktiv, glänzt stark, teuer

Baumwolle: Naturmaterial pflanzlichen Ursprungs, knittert viel, atmungsaktiv, glänzt wenig, kaum erhältlich

Viscose: eine Kunstfaser aus pflanzlichen Rohmaterial, knittert weniger als Baumwolle, atmungsaktiv, glänzt wenig, kaum erhältlich

Stofftypen

Diese Aufstellung ist fachlich nicht komplett und natürlich gibt es zu Herstellung, Webmethode und Anwendungszweck super viel zu sagen. Aber ich will euch nicht verwirren, daher hier die Ultra-Basics:
Glänzende, blickdichte, feste Stoffe: Satin oder Duchesse (gesprochen: Düschess)

Dünne, durchsichtige, weich fließende, matte Stoffe: Chiffon, Mousseline oder Crepe Georgette

Dünne, durchsichtige, leicht bockige, glänzende Stoffe: Organza

Dünne, durchsichtige Stoffe mit kleinem Wabenmuster: Tüll

 

Rohstoffe und Stofftypen kann man wirklich nach Belieben zusammen benennen, es gibt sie theoretisch alle:

Polyestersatin, Seidensatin, Baumwollsatin, Viscosesatin, Seidenchiffon, Polyesterchiffon etc etc.

Der Rohstoff eines Kleidungsstückes ist in jedem Kleid auf der Pflegekennzeichnung ("Markerl") angegeben, also ruhig auch bei der Anprobe mal nach innen ins Kleid schauen ;) es wird wohl meist Polyester sein...

 

Spitzen

Spitzen sind unterschiedliche Stofftypen, es gibt Baumwollspitzen, Polyesterspitzen, Viscosespitzen.

Bei den Spitzen gibt es aber auch noch viele andere Unterscheidungen. Ich werde von meinen Kundinnen gefragt, was ist denn jetzt diese besondere französiche Spitze, warum ist die besser als die spanische Spitze, was soll denn jetzt wieder eine Brüsslerspitze sein... Verwirrung pur!

 

Die Spitzenherstellung, welcher Art auch immer, war ein arme-Leute Handwerk. Man brauchte für die Herstellung nicht mehr als einen Faden, eine Nadel und vielleicht noch ein paar Holzknüppelchen. Sie konnte zu Hause hergestellt werden und der wichtigste Bestandteil war Zeit, viel viel Arbeitszeit.

Spitzen wurden hergestellt in Frankreich, Spanien, Belgien, Algerien, Irland, in den Alpen.. so ziemlich jede Gegend hatt eine etwas andere technik und andere Stilelemente entwickelt, spezielle Blütenformen, Blätter und Rankenarten oder geometrische Muster.

 

Heutzutage wird Spitze so gut wie nicht mehr von Hand hergestellt, sondern nur noch industriell mit einer Maschine.

Wer jetzt also in seiner Lieblings-Brautzeitschrift von neuesten Trend der exklusiven französichen Spitze liest:

Das hat nichts mit der ursprünglich von Hand gearbeiteten Spitze zu tun, außer man hat ein Kleid-Budget über 5.000,-

Meist sind damit die Blumen oder Rankenformen gemeint. Es gibt natürlich noch französische Spitze zu kaufen,, doch das heißt heutzutage meist nur mehr, dass die Maschine in Frankreich steht.

 

Drei wesentliche Unterscheidungen bei Spitzen haben sich allerdings bis in die heutige Brautkleidmode erhalten:

 

Tüllspitze oder Tüllstickerei: ein ebenmäßiger Tüllgrund wird mit einzelnen Spitzenornamenten bestickt. Die Spitzenornamente sind erhaben und der Tüll dazwischen ist mehr oder weniger durchsichtig.

 

Raschelspitze: Diese Spitze wird in einem Arbeitsschritt von einer Maschine hergestellt. Das Muster ist gleichmäßiger und flach, mit feineren Mustern. Hier gehört die französische Spitze dazu.

 

Häkelspitze: Grobe feste Spitze in Häkeloptik, nur für Vintagekleider verwendet.